Review: Oneplus 3 und Vergleich mit LG G4

Warum ein neues?

Tja warum ein neues und warum nach bloß 8 Monaten? Ich hatte doch gesagt, das hält sicher wieder 2 Jahre... Naja ich hatte LG im Bezug auf den Bootloader unterschätzt. Der war bei Dual SIM G4 (Test) ja gelockt und ließ sich nicht unlocken und ich hatte gedacht, das sich sicher wie beim G2 und G3 eine Möglichkeit finden lässt das zu umgehen und man trotzdem alle Android OS rooten etc kann. Für 5.1 gabs dann Root und xposed, aber für Android 6.0 wird das nix, weil erstens Google die Sicherheitsbestimmungen verschärft hat und der Bootloader gelockt ist und man damit keine modifizierte Software booten kann. Da ich Root und xposed brauche, saß ich also auf Android 5.1 fest und das stank mir nach einer Weile. Erstens bekomme ich keine neuen Features und zweitens bekomme ich keine Sicherheitsupdates. Da Smartphones immer mehr zur Zielscheibe werden, ist mir das durchaus wichtig.

 

Bestellung und Lieferung

Oneplus hat endlich die Einladungen drangegeben und somit war das Gerät auch flott bei mir. Am 24.6 bestellt und am 30.6 da, eine Woche früher als erwartet. Bestellt habe ich natürlich über den Shop von Oneplus. Nachteil bei Oneplus ist, das man Geräte zur Garantie nach China schicken muss und das die in der Vergangenheit grade beim support für kaputte Geräte ziemlichen Terz gemacht haben. Das soll sich aber gebesert haben und ich hoffe darauf, falls ich den mal nötig habe.

 

Haptik und Feeling

Im Vergleich mit dem LG G4 gibts bei der Verarbeitung Licht und Schattenseiten. Das Oneplus 3 ist komplett aus Alu und fühlt sich damit sehr hochwertig an, gleichzeitig ist es aber auch sehr rutschig. Das war beim G4 mit Lederrückseite öang nicht so schlimm. Die Buttons fühlen sich beim Oneplus 3 schöner an als beim G4, weil der Druckpunkt etwas präziser ist, allerdings liegen sie seitlich. Ich habe die rückseitigen Buttons des G4 geliebt und muss nun leider davon weg, das bringt aber auch den Vorteil. Die Rückseite des Oneplus 3 ist nicht wie beim G4 gewölbt, sondern bis auf den Kamerahubbel plan. Beim G4 hat mich oft geärgert, das man schlecht drauf tippen kann, wenn das Phone auf dem tisch liegt, das geht beim Oneplus 3 deutlich besser. Im Gegensatz zum G4 ist der seitliche Displayrahmen auch kleiner geworden, was ich durchaus zu schätzen weiß. Gleichzeitig ist das Oneplus 3 etwas länger, das ist dem Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite geschuldet. Für meine Verhältnisse ist das OP3 gut zu händeln, wenn man etwas größere Hände hat.

Ich habe mir allerdings auf Grund der oben erwähnte Rutschigkeit des OP3 ein Case bestellt. Damit liegt es deutlich besser in der Hand und der nervige Kamerahubbel ist auch Geschichte. Ich habe bewusst kein Case von Oneplus mitbestellt, weil ich die Preise von teilweise 25 Euro für ein Case echt übertrieben finde. Mein aktuelles Case hat 7 Euro gekostet und reicht locker.

 

Specs:

Da ich hier keine riesige Liste mit Leistungsdaten rein hauen will, schaut einfach mal bei GSM Arena.

 

Das Oneplus 3 im Alltag

Leistung:

Ich könnte hier jetzt eine Liste von Benchmarks hinpacken und sagen das da ganz viele Punkte bei rauskommen und deswegen ist das Smartphone schnell. Mach ich nicht, weil es Bullshit ist. Die Kiste ja die neuste Qualcomm Highend CPU und damit hat man nirgendwo Probleme. Das Phone wird nicht heiß, drosselt nicht und langweilt sich während ich damit zocke. Merkt ihr wo's hingeht? Die CPU gepaart mir 6GB(!!) RAM ermöglicht auch ziemlich gutes Multitasking und während meiner Nutzung habe ich nur selten Apps neustarten müssen. Das läuft alles butterweich und wird nie langsamer. Meistens hab ich Ingress, Hangouts, Google+, Poweramp, Kamera, Email, Whatsapp und Telegram in gleichzeitiger Benutzung und davon geht keine zu. Das ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich mit dem G4, das hätte nämlich unter Android 5.1 bei einem drittel der Apps die Grätsche gemacht. Ich kann daher zumindest unter Oxygen OS 3.2.1 keine Probleme mit dem Multitasking mehr feststellen wie sie unter vorigen Versionen berichtet wurden.

Ich würde sagen das ist das beste Phone, wenn es darum geht alles flüssig, auch unter Hardcore Usage, darzustellen. Ich habe noch kein Android Phone gesehen, das dermaßen sauber läuft! 

Display:

Beim G4 hatte ich ja aus diversen Gründen das 2k Display kritisiert, deshab war ich ziemlich glücklich, dass das OP3 wieder auf ein FullHD Panel setzt. Konket ein FullHD Optic AMOLED Display, also das neuste vom neusten beim Thema AMOLED. Ich habe nun also beide "Extreme" direkt nebeneinander, das G4 mit dem SuperLCD 2k Display und das OP3 mit FullHD AMOLED. Was soll ich sagen.... ich sehe bei beiden keine Pixel, ich sehe nicht, dass das G4 Dinge schärfer darstellt. Ich finde das Display des OP3 sehr gut was Helligkeit, Kontrast und Blickwinkelstabilität angeht. Ich kann das Display auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch ablesen, auch wenn das nicht mehr ganz optimal funktioniert. LG hatte beim G4 einen Softwaretrick eingebaut, dass das Display in einen speziellen "High Contrast" Modus wechselte, wenn die Sonneneinstrahlung besonders hoch war. Das klappte ziemlich gut, sowas hat das OP3 leider nicht.

Kommen wir zur Farbdarstellung... Die ist bei AMOLEDs ja immer ein Thema, weil die Panels die Farben gerne übersättigt darstellen und genau das ist auch beim OP3 der Fall. Nicht so krass wie ich es von Samsung kenne, aber merklich. Darüber muss man sich im klaren sein, wenn man seine Fotos betrachtet, denn am Rechner werden sie anders aussehen, blasser zumeist. Oneplus hat mit dem 3.2.1 Update auch einen sRGB Modus eingeführt, der die Übersättigung korrigieren soll. Bei mir und vielen anderen scheint dieser allerdings nicht zu funktionieren. Die Farbdarstellung wird sichtbar ins gelbliche verschoben und das sieht einfach furchtbar aus. Jetzt kann es natürlich sein, das unser Farbempfinden einfach schon sehr kaputt ist, wahrscheinlicher ist allerdings, dass das Feature noch nicht arbeitet wie es soll. Mal schauen was die noch rausbringen.

Dual SIM:

Dual SIM war ja wieder Pflicht, weil meine Verträge ja noch laufen und ich die nicht mal eben umstellen kann. Das OP3 frisst zwei nano SIMs und auch nicht das, keine SD Karten! Wie beim G4 ist in den Einstellungen ein extra Reiter für die SIM Verwaltung. Dort kann man einstellen welche SIM für Daten, welche für Telefonie und welche für SMS genutzt wird. Ich finde das noch übersichtlicher als es beim G4 war, zumal man nach dem wählen nochmal auswählen kann (nicht muss!) über welche SIM man nun anrufen will. Beim G4 war dafür ein "Menü" im Notification Pulldown, was ich als viel zu groß und umständlich empfand.

Beide Solts können LTE für 300mbit down und 50mbit up. Das sollte reichen, da die Verträge in Deutschland eh nicht mehr hergeben und die Datenvolumina hier eh viel zu klein sind.

Akkulaufzeit:

Hohe Erwartungen hatte ich nach meinem G4 nicht, besser als die 3,5-4 Stunden sollte es aber schon sein, denn weniger Auflösung und besseres Panel sollten schon was reißen. Wie viel besser hat mich dann aber doch überrascht! Wenn ich die Kiste normal nutze (browsing, chat, Fotos,.... kein zocken), dann erreiche ich locker die 5h Screen on Time Marke! Ich denke mit Energiesparmodus ab 15% Akk und ein bisschen weniger Helligkeit wären auch dicke 6h drin. Davon habe ich bereits in anderen Berichten gelesen. Für einen Akku mit 3000mAh, wie auch beim G4, ist das schon echt ordentlich bis sehr gut. Ich schätze, das der Snapdragon 820 und das FullHD AMOLED Panel da ziemlich gut zusammenarbeiten.

Ingress habe ich bisher noch nicht lange genug am Stück gespielt, aber meine Erfahrung sagt mir, das so knapp 2,5-3h am Stück zocken drin sein dürften, aber da man da eh immer einen Akku dabei hat, ist das auch eher zweitrangig´;)

Interessant beim OP3 ist die Ladetechnik: Diese setzt anders als Qualcomms Quickcharge auf hohe Ströme statt hohe Spannungen. Dies hat Vor- aber auch Nachteile und ich möchte versuchen diese im folgenden darzustellen. Die Ladetechnik des OP3 nennt sich Dash Charge und arbeitet mit bis zu 4 Ampere Strom und 5 Volt Spannung. Um diese Technik nutzt zu können muss das OP3 mit dem Kabel und dem Ladegerät von Oneplus geladen werden. Mit anderen Ladegeräten oder Kabeln klappt es nicht! Das ist schade, dient allerdings der Sicherheit, denn das Kabel one Oneplus ist recht dick um die hohen Ströme abzukönnen, billige dünne Kabel würden durchbrennen und das Gerät beschädigen.

Vorteil der Technik ist allerdings, dass das OP3 wahnsinnig schnell aufgeladen ist und zwar in 30 min von 0 auf 63% und dabei ist es egal, ob du das OP3 beim Laden nutzt oder nicht, du erreichst immer die 63% in 30min. Das kann Quickcharge nicht, denn da drosseln die Handys den Ladevorgang, da es sonst zu warm wird. Quickcharge arbeitet mit hohen Spannungen und die müssen im Gerät umgewandelt werden, dabei entsteht Wärme. Das Problem hat das OP3 nicht, egal, ob man es mit dem Oneplus Ladegerät nutzt oder nicht, es wird nie warm! Ich habe das als sehr angenehm empfunden, zumal das OP3 auch mit meinen Anker Quickcharge Ladegeräten (immerhin noch 2,4 Ampere) sehr flott läd. Im Auto bei der Navigation habe ich keine Probleme mit Entladung wie ich es beim G4 teilweise hatte und das OP3 bleibt dabei sehr kühl. Das G4 war bei sowas schon am klühen.

 

Kamera:

Die Kamera im LG G4 war schon ein ziemlich geiles Teil und es wird schwer da ran zu kommen. Rein hardwaretechnisch hat das OP3 eine 2.0 Blende (1.8 im G4) und 16MP, allerdings ist der Sensor etwas kleiner als der vom G4. Während das G4 noch einen Laser Autofokus nutzte, setzt das OP3 auf Phasedetection Autofocus. Bei Tageslicht macht das eher weniger einen Unterschied, wobei ich sagen muss, dass das OP3 bei Tageslicht gefühlt schneller fokusiert als das G4. Auch bei der Fotoqualität kann ich bei Tageslicht keinen Unterschied erkennen. Beide Kameras befinden sich auf einem exzellenten Level und machen super Fotos. Die Einstellungsmöglichkeiten im Manual Mode sind beim LG G4 etwas detailierter als beim OP3, ich habe sie aber auf beiden Geräten kaum bis nie genutzt. Am besten sind die im Point and Shoot mode und so nutzt man ja auch Smartphones ;)

Zum Vergleich habe ich hier einige Bilder eingefügt (Leider kein direkter Vergleich, weil ich das G4 recht schnell an einen Kumpel abgegeben habe)

Bild 1Bild 2Bild 3Bild 4 vom G4

Bild 1Bild 2Bild 3Bild 4 vom OP3

Videos kann auch das OP3 und da haben wir die Wahl zwischen 4k, 1080 und 720 @30fps und 720@120fps. Leider ist kein 1080@60fps Modus vorhanden, das sollte eigentlich mit allen modernen Phones möglich sein. Die Videos machen einen sehr guten Eindruck, grade das OIS macht hier echt einen guten Job. Die Kameraapp hat sogar noch einen Timelapse Modus eingebaut, zwar nicht sehr featurereich, aber ausreichend.

UI und UX:

Nachdem das G4 im Vergleich zu Stock Android eine recht stark modifizierte UI hatte (nicht schlecht!), hat das OP3 nun eine UI, die sehr nah an Stock Android dran ist. Ich hatte keine Probleme mich umzustellen. Die UI ist sehr aufgeräumt und sauber, Stock Android halt. Es gibt keine überflüssigen Gimiks und ich hab auch keine vermisst. Was ich Oneplus echt zugute halte ist, das sie keine Bloatware auf ihren Geräten installieren! Beim G4 hatte ich massenweise Apps drauf, die ich nie gebraucht habe und echt unnötig sind.

Oneplus hat einige schöne Kniffe ein die UI als auch UX eingebaut. Man kann zum Beipiel entweder Onscreen oder die Hardwarebuttons nutzen. Man kann die Buttonbelegung tauschen wie man will und auch Aktionen für langes und doppeltes Drücken auf einen der Naviagionsbuttons definieren. Es gibt sogar einen systemweiten Darkmode! Spannend sind auch die Gesten, die bei ausgeschaltetem Display ausgeführt werden. Damit kann man, ganz klassisch, per double tap to wake das Display einschalten, die Kamera öffnen, das LED Licht anmachen oder vor und zurück gehen im Musikplayer. 

Ich kann echt nur sagen, schönes UI und gute UX.

Updates und Custom ROMs:

Das OP3 kommt mit Android 6.0.1, also dem neusten was momentan geht. Updatemäßig scheinen die auch recht flott unterwegs zu sein. Innerhalb von zwei Wochen kamen 2 größere Update raus, die das Multitasking und die Kameraapp verbesserten. Ich bin daher recht zuversichtlich, das Android N (7.0) recht flott auf dem Gerät landet. Wenn einem der Takt von Oneplus nicht reicht, dann kann man sich halt eins der zahllosen Custom ROMs installieren. Ja, richtig es gibt Custom ROMs und das nicht zu knapp! Ich habe locker 8 verschiedene gesehen und die bekommen regelmäßig Updates. Das ist vor allem möglich, weil Oneplus den Bootloader zwar sperrt, aber es total einfach ist ihn zu entsperren. Für mich waren das ein paar Klicks und ein Neustart. Mit dem entsperren des Bootloaders verliert man übrigens nicht die Garantie!

 

Fazit

Oneplus hat sein Oneplus 1 "Flagshipkiller" genannt und das war auch berechtigt. Mit dem Oneplus 2 ist ihnen das nicht ganz gelungen, aber das Oneplus 3 knüpft wieder an das Oneplus 1 an. Es ist ein wirklich großartiges Gerät zu einem tollen Preis. Wann bekommt man schon ein Vollmetallgerät für 399 Euro? Das OP3 ist grandios verarbeitet und hat unfassbar viel Leistung, ich würde sagen, das es das momentan schnellste Androidphone auf dem Markt ist und aus meiner Sicht auch das beste. Von mir bekommt es also eine klare Kaufempfehlung ;)

 

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