Verschärfung des Sexualstrafrechts nötig?

Ich bin via fefes Blog über diesen Artikel gefallen. Der Fall ist folgender:

​Seine Verurteilung erfolgte allein aufgrund der Angaben einer 57-jährigen Professorin der Musikhochschule. Diese hatte Mauser angezeigt, sie vor sieben Jahren, im April 2009, bei einem Gesprächstermin in seinem Büro sexuell genötigt zu haben. Gleich zur Begrüßung habe er sie überraschend gegen die Tür gedrängt und ihr seine Zunge in den Mund geschoben. Trotzdem fand das Gespräch dann statt. In einem zweiten Überrumpelungsversuch habe er später ihre Hand an seine Hose über dem erigierten Penis gelegt und versucht, ihr unter den Rock zu greifen. Sie habe ihn verbal und durch Gegenwehr abgehalten, sagte die Frau aus, Mauser habe sich daraufhin wieder in seinen Sessel begeben. Beendet wurde die Situation durch das Eintreten eines Dritten, der aber keine Übergriffe bemerkte.

Obwohl es keine Tatzeugen gibt, die Frau weder aus dem Raum geflohen war noch um Hilfe gerufen hatte, ja die Unterredung nicht einmal abgebrochen und mit der Anzeige volle sechs Jahre gewartet hatte, wurde Mauser verurteilt. Der Pianist ist erledigt – durch die Anwendung geltender Gesetze. (Zitat fefe)

 

Mir stellen sich dabei die Fragen:

1) Wer setzt sich noch zu einem Gespräch hin, wenn ihm zu allererst die Zunge in den Hals gesteckt wird? Geht man dann nicht eher sofort wieder und zeigt denjenigen an?

2) Wenn man sich körperlich und verbal wehrt, warum merkt eine Person, die während dem Geschehen eintritt nichts davon? Ist man dann nicht zerzaust, außer Atem und aufgebracht? Warum bittet man die Person nicht um Hilfe oder flüchtet spätestens dann?

3) Warum wartet man 6 Jahre mit einer Anzeige um dem Verfahren?

 

Zu 1) Aus meiner Sicht macht man das nur, wenn man einen an der Klatsche hat oder es garnicht stattgefunden hat.

Zu 2) Entweder die eintretende Person ist blind und taub und hat deshalb nichts gemerkt oder das ist auch erlogen.

Zu 3) Tja das ist etwas schwieriger.. Falls das tatsächlich so wie oben abgelaufen ist, dann kann es natürlich sein, das man sich geschämt hat und deshalb so lange wartet. Es kann natürlich sein, dass die Mauser einfach nicht leiden konnte und ihm deshalb was anhängen will. Dann ist es logisch, dass man sowas 6 Jahre lang "ruhen" lässt, da dann keine Spuren von Gewaltanwendung mehr zu sehen sind, die unmittelbar nach einer solchen Tat da sein könnten. Man lässt also ein Indiz, dass das nicht stattfinden der Tat belegen könnte, elegant verschwinden. Zumal die Frau Professorin ist und daher die nötige Courage aufbringen sollte, einen solch eher harmlosen Fall schneller zur Sprache bringen zu können.

 

Mir geht es jetzt nicht darum zu erörtern, ob die Tat erlogen ist oder nicht (obohl mir das sehr konstruiert aussieht), sondern darum, dass hier meiner Meinung nach die Unschludsvermutung zu kurz kommt. Bei Mord oder anderen Delikten muss man Beweise oder haufenweise Indizien rankarren, damit man eine Verurteilung erreicht. Das ist aufwändig und zieht sich teilweise über Monate bis Jahre. Alles muss belegt, dokumentiert und geprüft sein. Auf der anderen Seite scheint es bei Sexualdelikten zu reichen, wenn man eine gute Story erzählt und man erreicht eine Verurteilung. Im oben geschilderten Fall gab es einzig und allein die Aussage der Frau, keine Beweise, keine Indizien, nichts und trotzdem wurde Mauser verurteilt. Wie kann das sein? Scheinbar reicht es sich eine gute Geschichte auszudenken und sich mindestens einmal mit der betreffenden Person allein zu treffen, um jemanden in den Knast zu bringen.

Dafür kann und soll das Strafrecht meiner Meinung nach nicht da sein! Wir haben in zwei prominenten Fällen (Kachelmann, Horst Arnold) gesehen, dass diese Lücke missbraucht wurde und es ein riesen Aufwand war von diesen Beschuldigungen wieder wegzukommen. Klar ist es gerade bei Sexualdelikten schwierig klare Beweise und Indizien zu haben, allerdings kann es auch nicht sein, dass unschuldige Menschen einfach auf Grund von Behauptungen weggesperrt werden. Das führt zu einer Gesellschaft es Misstrauens und der Angst. In den USA ist es teilweise schon soweit, das die Leute nicht mehr zu zweit in den Aufzug oder in Meetings gehen, weil es so einfach ist wegen eines Sexualdelikts in den Knast zu kommen. 

Ich glaube wir brauchen dringend ein neues Verfahren wie Fälle von Sexualstraftaten abgehandelt werden, damit beide Seite fair und gerecht behandelt werden. Zur Zeit sehe ich da ein starkes Ungleichgewicht zu der Seite, die als erstes "Vergewaltigung" schreit. Ich denke wir brauchen derzeit nicht zwingend ein verschärftes Sexualstrafrecht, sondern eher eine Reform.

 

Comments

Ist die Frage, wie sachlich die Diskussion geführt wird. Da scheint es ja ein
wenig zu hapern. Und dann kannst du gerade als Mann da auch nicht wirklich viel
beitragen, befürchte ist. Es könnte passieren, dass man dann unter #Aufschrei
mit Dingen wie „du willst ja nur gefahrlos durch die Gegend ziehen können“ und
so konfrontiert wird.

Das mit der Unschuldsvermutung stimmt mich auch nachdenklich. Außerdem ist
häufig das Problem nur in der Anwendung der Gesetze und nicht den Gesetzen
selbst. Das sieht man momentan auf der Viktoriabrücke in Bonn. Würden die
Autofahrer zur Einhaltung der StVO gezwungen, so könnten auch Radfahrer sicher
die Brücke überqueren.

Es ist zu befürchten, dass ähnlich wie beim Brexit die Debatte viel zu
emotional geführt wird und es am Ende schlimmer ist als vorher. Für alle.

Wenn hier wer mit Aufschrei was abziehen will, dann bitte. Ich komme damit klar. Die meisten von denen sind eh bloß Luftpumpen und das man hier Fragen zum kommentieren beantworten muss dürfte die meisten abhalten, die nur Unsinn machen wollen.

Außerdem warum sollte ich als Mann nichts dazu beitragen? Als Mann ist man wie als Frau entweder Opfer oder Täter. In dem Fall sollte und darf man etwas zur Diskussion beitragen. Eine männliche Beteiligung aus irgendwelchen Gründen auszuschließen wäre sexistisch und lächerlich.

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