Wie schreibe ich eine Bachelorarbeit?

Da das ein nicht ganz einfaches Uunterfangen ist, teile ich es in zwei Teile. Der erste Teil befasst sich mit der Vorbereitung und der zweite Teil mit dem schreiben bzw dem Umsetzen des Projekts. Ich schreibe das nach meiner eigenen und werde die Punkte nennen, die ich als wichtig erachte, wenn ihr noch welche habt, dann kommentiert bitte :)

Vorbereitung:

Welcher Bereich?

Werde die darüber klar in welchem Bereich oder in welche Richtung deine Arbeit gehen soll. Wenn du keinen Plan hast, dann gibt es viel zu viele Angebote und du kannst es nicht überblicken. Wa du brauchst ist ein fokusierter Blick auf die Richtung in die du gehen willst, denn selbst dort werden sich zig Möglichkeiten auftun.

Wo?

Wo ist eigentlich scheiß egal, es geht um das Projekt und wenn du das geil findest, dann ist es fast völlig egal wo du schreibst. Viele sagen, das man bei möglichst renomierten Firmen schreiben soll, damit sich das gut im Lebenslauft macht. Das halte ich für Unsinn! Was bringt es dir 6 Monate in einer zwar sehr renomierten Firma gearbeitet zu haben, aber das Projekt ist eher mäßig? Dann wird die Note nämlich meist auch eher mäßig.

Wie finde ich Projekte?

Viele Institute und Firmen haben Website auf denen Themen stehen, aber oft sind die veraltet oder es gibt wenig Info. Lösung? Hin da! Der Vorteil ist, das du dir wesentlich mehr Info bekommst und vor allem fallen den Leuten noch Projekte ein, die nirgendwo erwähnt worden sind und das sind vielfach die Besten. Außerdem lernen dich die Leute vor Ort kennen und bekommen einen wesentlich besseren Eindruck von dir als wenn sie einfach einen Lebenslauf und Motivationsschreiben lesen (Ich bin am DLR angenommen worden bevor die auch nur eins davon gesehen hatte ;) ). Weiterhin bekommt man einfach den Entusiasmus mit, mit dem die Leute da an ihrer Arbeit sind und wenn der hoch ist, dann ist das einfach ziemlich ansteckend. 

Wie wähle ich das Projekt aus?

Tricky! In allererster Linie musst DU darauf Bock haben. DU musst dich 6 Monate damit befassen und eine Arbeit darüber schreiben. Zudem muss die Arbeitsumgebung stimmen, also soltest du einen eigenen Arbeitsplatz bekommen und alle nötigen Tools um den Task bearbeiten zu können. Weiterhin solltest du 1 oder 2 Betreuer vor Ort haben, die wissen woran du arbeitest und dir gegebenenfalls helfen können. Das ist wichtig, denn du wirst tonnenweise Fragen haben und zwar zu Dingen, die du dir am Anfang nicht mal vorstellen kannst! Außderdem willst du, das die Finanzierung deines Projektes nicht gefährdet ist. Wenn absehbar ist, das Anschaffungen gemacht werden müssen, dann willst du keine große Bürokratie haben oder um jeden Euro kämpfen müssen. Wer geile Sachen bauen will, der braucht Geld und wenn die schon von Anfang an sagen, dass sie nicht so viel Kohle ausgeben wollen, dann sollte man da nachbohren, was das denn heißt.

Zu Guter Letzt brauchst du nen Prof bei dem du schreiben kannst und man sollte sein Projekt ein wenig danach orientieren, ob man einen Prof in dem Gebiet an der Uni hat und wie gut man mit ihm klarkommt. Frag Leute die schon man bei den Profs geschrieben haben und erkundige die wie sie betreut worden sind. 

Wie setze ich das Projekt auf?

Einer der wichtigsten Schritte! Ich würde sagen, dass davon 20% des Erfolgs deiner Arbeit abhängt... Das kann etwas dauern und einiges Hin und her erfordern (hat bei mir 5 Wochen gedauert). Der Punkt ist, dass ihr einen Schlachtplan machen müsst! Klärt mit eurem Betreuer am Projektstandort ab, was das genaue Thema ist und was alles erreicht werden soll. Macht das detailiert, denn so könnt ihr das hinterher in Arbeitspakete unterteilen und wisst jederzeit wo ihr steht. Lasst hier nicht locker, denn sonst dümplet hier herum und damit ist keinem geholfen. Mit dem Plan gehst du dann zum Prof und machst ihm das schmackhaft. An dem Punkt kann es sein, dass er dieses oder jenes ändern will und es kann ein wenig hin und her gehen. Am Schluss solltet ihr aber einen Plan davon haben was genau ihr tun sollt und das muss von beiden Seiten akzeptiert sein. Macht das bevor ihr überhaupt mit dem Projekt angefangen habt ;)

Am Schluss erkundigt ihr euch nach dem ganzen Formalkrempel, der immer erforderlich ist... Anmeldung am Prüfungsamt etc pp

 

Umsetzen:

 

Anfangen:

Erwarte nicht, dass du direkt mit Vollgas loslegen kannst. Die ersten ein bis zwei Wochen gewöhnt man sich erstmal an die Arbeitsumgebung, den Workflow und lernt die Leute, Tools und Gebäude kennen. Setz dich nicht zu sehr unter Druck, das es am Anfang etwas langsamer geht. Es werden immer wieder langsame und schnelle Phasen kommen.

Arbeiten an der Thesis:

Beim eigentlichen Arbeiten an der Thesis solltest du dich an deinen Arbeitspaketen entlanghangeln. Ich habe teilweise an 2-3 Pakete gleichzeitig gearbeitet, weil es mal hier und mal da weiterging. Wichtig ist, das man einen Katalog hat in dem steht was man braucht und wo man hinwill. Du musst dann dafür sorgen, das man dort ankommt.

Ich schätze am Anfang fühlt sich jeder erstmal wie ein Depp, weil man nur so ganz ungefähr n Plan hat wie man das alles schaffen will und man fühlt sich dann ein wenig hilflos. Das ist aber kein Problem, denn je mehr man an seinem Projekt rumarbeitet, desto klarer wird es. Es wird trotzdem Tage geben an denen man glaub nix geschafft zu haben und man einfach zweifelt, ob das überhaupt was gibt und ob es eine gute Idee war diese Srbeit zu schreiben. Auf der anderen Seite gibts dann aber auch Tage an denen einfach alles klappt und man riesig nach vorne kommt. Damit man darin nicht den Überblick verliert, solltest du hin und wieder deinen Arbeitsplan checken und schauen wie weit du bist und ob das zeitlich in Ordnung geht.

Wenn du ein Projekt hast, dass in irgendeiner Weise Arbeit im Labor oder an einem Setup beinhaltet, dann kann ich dir garantieren, dass es zu "major Fuckups" kommen wird. Da denkt man das die Physik kaputt ist, weil Dinge, die vorher gingen, bei gleichen Bedingungen nicht mehr gehen. Das ist so und lässt sich nicht umgehen!! Damit lernt man umzugehen und man lernt die Dinge sehr genau zu betrachten und solche Probleme hinterher zu lösen. Ebenso werden Teile, die man bestellt oder von der Werkstatt fertigen lässt, in mindestens einem Fall nicht rechtzeitig fertig. Das ist kein Grund in Panik auszubrechen, man sollte nur einen Plan haben wie man auch ohne weitermachen kann.

Schreiben der Thesis:

Hier kann ich nur n paar generelle Dinge sagen, weil jeder seinen eigene Art hat. Manche fangen früh an zu schreiben, andere spät und alles hat seine Vor- und Nachteile. Das Ding ist, das es sehr wahrscheinlich eure erste Arbeit ist und daher wird euer Schreibstil nicht wirklich gut sein. Daher sollte man seine Arbeit, sobald man was substantielles hat, von jemandem mit Erfahrung lesen und korrigieren lassen. Nur so bekommt man den Stil auf die Reihe und so lernt man auch die kleinen Details kennen. Manche Betreuer wollen mehr Bildunterschrift oder diese und jene Aufteilung. Setz dich früh genug damit auseinander, damit dich das nicht hinterher auch noch stresst.

Apropo Stress, es wird stressig!! Immer! Das lässt sich nicht umgehen, egal wie man sich vorbereitet, es ist ein Gesetz, also versuch es erst garnicht ;) Die letzten 3-4 Wochen vor der Abgabe sind einfach schlimm, weil plötzlich das Experiment nicht mehr geht oder du noch viel schreiben musst. Da muss man durch, aber danach ist man auch fertig und hat bis zur Masterarbeit erstmal frei :)

 

 

 

 

Comments

Das System mit den Arbeitspaketen klingt schon nach Scrum mit Kanban-Board und einer Swimlanes mit maximal drei Tasks pro Feld. Das ist durchaus sinnvoll für agile Projekte, auch wenn man alleine daran arbeitet. So kann man zwar mehrere Baustellen haben, allerdings nicht beliebig viel anfangen. Die Idee ist grob folgende: Du hast Scrum gemacht und deine Arbeit in kleine Tasks aufgeteilt. In jeder Zeiteinheit (z.B. Woche) macht man einen Sprint in dem gewisse Tasks abgearbeitet werden. Diese kommen dann auf das erste Feld in der Swimlane. Die nächsten Felder der Swimlane sind dann z.B. Konzept, Feinplaung, Durchführung, Auswertung/Test, Einbau ins Gesamtprojekt. Am Ende gibt es noch eine Ablage für fertige Tasks. In der Mitte der Swimlane dürfen immer nur eine feste Anzahl (z.B drei) Tasks pro Feld sein. So kann man nicht beliebig viel anfangen und muss irgendwann anfangen von hinten die Lane wieder freizuräumen. So wird auch Zeug fertig und man fängt nicht alles gleichzeitig an. Gleichzeitig kann man auch auf etwas warten und etwas anderes fertig machen.

Und über die Sprints lernt man dann auch noch besser die benötigte Zeit einzuschätzen. Das ist ein gutes System!

Am Anfang meiner Bachelorarbeit habe ich das Thema noch gar nicht umreißen können. Ich kam mir etwas verloren vor. Durch Lesen der Paper wurde es eher noch schlimmer, das Unwissen wurde bewusst. Später habe ich hunderte CPU-Stunden rechnen gelassen, damit irgendwie was rauskam. Und durch einen Buchstabendreher ging eine Woche einfach gar nichts sinnvolles, die Daten waren alle Müll.

Was ich noch ergänzen kann: Macht mehrere Backups eurer Arbeit. Am Besten auch noch mit Versionsverwaltung in Git. So ist die am Abgabetag nicht plötzlich spurlos verschwunden.

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